Vortrag "Gelber Flieger über Madagaskar" / 23. November 2019
| Großer Andrang herrschte in der Gemeindehalle zum Vortrag von Michael Kässer der als „Gelber Flieger über Madagaskar“ arbeitete. Pfarrer Wolfgang Müller begrüßte die zahlreichen, auch von außerhalb, gekommenen Besucher und freute sich über das große Interesse an der Arbeit des Buschpiloten. Ein Jahr hatte Michael Kässer zusammen mit Ehefrau Christa und den kleinen Kindern Amelie und Jule auf der viertgrößten Insel der Erde verbracht, er flog mit einem Ultraleichtflugzeug Hilfseinsätze für den Verein „Mobile Hilfe Madagaskar“ (MHM). Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt, mit über 22 Millionen Einwohnern und weiter steigendem Zuwachs. Jedes zweite Kind ist unterernährt, informierte Michael Kässer. Er sprach sogar von einer regelrechten „Entsorgung der Kinder im Müll“. Oberstes Ziel des Vereins MHM ist eine Verbesserung der medizinischen Situation; gegründet wurde er durch Tanja Hock, die seit 2006 auf Madagaskar lebt. Eine Krankenstation in Ambovo, ein Hebammen- und ein Zahnarztmobil gehören mittlerweile zur Ausstattung und sind oft die letzte Hoffnung für Menschen, die in entlegenen Gegenden wohnen und sich eine teure Behandlung in einem der wenigen Krankenhäusern nicht leisten können. Michael Kässer flog Ärzte oder Hebammen mit einem buschtauglichen Ultraleichtflugzeug in die abgelegenen Orte und berichtete an diesem Abend recht anschaulich über seine Erlebnisse, technischer wie medizinischer Art. Bei manchen Begebenheiten fragte er sich schon mal „wer hat hier die Regie geführt“. So, als er zu einem Unfall auf der Straße kam, bei dem ein Mann am Oberschenkel schwer verletzt wurde und den er ins Krankenhaus geflogen hatte. Heute, nach monatelanger Zeit der Heilung, sind beide gute Freunde geworden. „So manches Mal gehe da einem die Frage nach dem Sinn des Lebens durch den Kopf“, schildert Kässer seine Betroffenheit über die schlechte medizinische Versorgung auf der Insel. Mittlerweile sind im MHM-Team rund 70 Madagassen beschäftigt. Derzeit entstehe eine Kinderklinik, in der Kinder eine Frühförderung bekommen können und so einen guten Start ins Leben erhalten. Finanzielle Spenden würden nicht nur den Schwangeren helfen, sondern auch Familien in Not und gelangen direkt an den Verein MHM, betonte Michael Kässer am Schluss des informativen Abends. Auf die Frage aus dem Publikum, was sonst noch benötigt würde, meinte der Buschpilot augenzwinkernd „ideal wäre ein Zahnarzt im Ruhestand, der auch fliegen könnte“. Weitere Informationen über die Mobile Hilfe in Madagaskar mit Spendenmöglichkeit gibt es unter www.mobile-hilfe-madagaskar.de |
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| Michael Kässer, der "Gelbe Buschpilot über Madagaskar" |
| Text und Bild: Elke Huß |