Autorenlesung "Mai-Schnee" von Gertrud Wollschläger / 17. Mai 2019
| Die Autorin Gertrud Wollschläger las aus ihrem Kriminalroman „Mai-Schnee“, der vom Mord an einer Zwölfjährigen auf dem Priorberg im Jahr 1972 handelt, der bis heute nicht aufgeklärt ist. Mit Dieter Geißel, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings, versucht die Autorin, dass anhand der heutigen Erkenntnisse der Fall doch nochmals aufgerollt wird, um damit dem Ort Priorberg seinen Frieden wiederzugeben. Im bis auf den letzten Platz besetzten Küferstüble der Familie Bippus ist es mucksmäuschenstill, als Gertrud Wollschläger einzelne Passagen aus ihrem Buch liest. Denn jeder der Anwesenden unterschiedlichen Alters hat einen unmittelbaren Bezug zu diesem Verbrechen, das vor knapp 47 Jahren auf dem Priorberg geschehen ist. Der Tatort liegt keine fünf Kilometer von Dürrenmettstetten entfernt. Auf dem knapp drei Kilometer langen Heimweg von Dettingen hoch durch den Wald traf das Schulmädchen damals auf ihren Mörder. Der Weiler Priorberg bestand damals aus elf landwirtschaftlichen Höfen und jeder kannte jeden, berichtet die 74jährige Lissy Beuter, die dort aufgewachsen ist, in ihrer Einleitung. Ein Stück heile Welt bis zu dem Tag, als das Schockierende geschah. Danach herrschte Entsetzen rund um den Priorberg und „die Angst nahm einem die Luft zum Atmen“, beschrieb Beuter das schreckliche Ereignis, damals 28jährig und selbst Mutter einer gleichaltrigen Tochter. Vor etwa fünf Jahren sei er durch Zufall der „Gehilfe“ von Gertrud Wollschläger geworden, berichtete Dieter Geißel, ein pensionierter Kriminalhauptkommissar. Ihn habe die Geschichte nicht mehr losgelassen, nachdem die Autorin ihn um fachmännische Hilfe für Recherchearbeiten zum Buch „Mai-Schnee“ gebeten habe. Über 80 Zeitzeugen hatten sie angehört, Befragungen und Gespräche geführt, Beweise gesammelt und wurden immer wieder von der Freundlichkeit, mit der Sie empfangen wurden, überrascht. „Das Dorf möchte seinen Frieden wiederhaben“, beschreibt Geißel die Bereitwilligkeit der Zeitzeugen. Damals habe jeder Nachbar dem anderen misstraut, es gab sehr viele Gerüchte um den möglichen Täter, der bis heute nicht feststeht. Die damalige Sonderkommission befragte jeden in Dettingen, jeder Waldarbeiter wurde vernommen, über 1800 Spuren wurden überprüft. Die Polizei habe damals gründliche Arbeit geleistet, bestätigt er, jedoch gab es nicht die Möglichkeit einer DNA-Auswertung. Sogar nach der letzten Lesung in Dettingen bei Horb, kamen immer noch Personen auf die Autorin und ihn zu, um Hinweise zu geben. Gertrud Wollschläger, die in Mühringen aufgewachsen ist, begründet das Entstehen dieses Buches ausdrücklich damit, dass „jeder getötete Mensch ein Recht darauf hat, dass sein Schrei gehört wird“. Auf dem Priorberg herrsche „eine Vergangenheit, die nicht in Ordnung gebracht wurde“. „Die Betroffenen sind lebende Opfer, die ein halbes Leben Angst vor dem Täter haben“ umschreibt sie die Vernachlässigung einer Fürsorge nach dem Geschehen. Sie wolle zusammen mit Dieter Geißel weiter dranbleiben und hoffe auch auf weitere Hinweise. „Wir geben unser Wissen an die Kripo Rottweil weiter, dazu haben wir auch das Einverständnis der Familie“ sagt die Autorin. Ein weiteres Vorhaben liegt ihr ebenfalls sehr am Herzen: die Verewigung des Namens vom getöteten Mädchen auf einer Gedenktafel bei der St. Josephs-Kapelle auf dem Priorberg, wo auch der Jakobusweg dran vorbeiführt. Folgt man dieser Straße, gelangt man im Waldstück an den Fundort, der zugleich der Tatort ist, und auf dem damals ein Gedenkstein vom Vater des Mädchens aufgestellt wurde und heute noch, mit Efeu überwachsen, dort steht. Das Buch „Mai-Schnee – Tat ohne Sühne“ von Gertrud Wollschläger ist im Engelsdorfer Verlag erschienen und kostet 22 Euro. |
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| Gertrud Wollschläger |
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| Lissy Beuter |
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| Der Gedenkstein im Wald |
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| Text und Bilder: Elke Huß |