Jakobuspilgerer in Dürrenmettstetten / 15.6.2017

Einmal dem Alltag entfliehen, entschleunigen und zur Ruhe kommen, das hatten sich Kerstin und Volker Hielscher aus Leutenbach (Rems-Murr-Kreis) vorgenommen. Die Idee, dies mit Pilgern auf dem Jakobsweg zu verwirklichen, hatte Kerstin Hielscher. „Ich wollte direkt von meiner Haustür aus starten“ erzählt die 45-jährige, die im Berufsleben in der Buchhaltung tätig ist. An Winnenden, der Nachbarstadt, führt nämlich ein Jakobsweg vorbei. Ihr Mann, der als Programmierer und IT-Berater tätig ist, war sofort begeistert. Der 47-jährige sah es als Herausforderung an, eine ganze Woche mit dem Gepäck auf dem Rücken zu marschieren. „Wenn es hier gelingt, dann dürfte es irgendwann mal auch in Spanien funktionieren“, meint er zuversichtlich.
Am Freitag vor Pfingsten begann der einwöchige Pilgerweg und führte die beiden während der ersten Tagestour bis nach Esslingen, runde 26 Kilometer weit. Von dort ging es in Etappen weiter nach Neckarhausen (bei Nürtingen), dann nach Tübingen. Am vierten Tag mussten sie eine ganztägige Pause einlegen, da Volker Hielschers Knie Probleme bereitete und auch ein paar Blasen an den Füßen auftraten. Doch tags darauf ging es weiter nach Rottenburg und von dort nach Horb. Überall bekamen die Pilger ihren Stempel in den Pilgerausweis. Durchschnittlich knappe 30 Kilometer ist das Ehepaar jeden Tag gelaufen und hatte dabei auch noch Glück mit dem Wetter. Das letzte Ziel war Alpirsbach, von dort ging es mit dem Zug zurück in die Heimat. Die Übernachtungen wurden täglich kurzfristig organisiert, das Handy mit Internetzugang hat Volker Hielscher jedenfalls dabei. Genauso wie ein Reiseführerbüchlein. „Manchmal sind die Wegweiser schwer zu finden“, berichtet Volker Hielscher. „Entweder sind sie vom Gras zugewachsen oder es sind es nur kleine Trampelpfade, die durch den Wald führen“, schildert er die Erfahrungen nach knapp einer Woche.
Von schönen Erlebnissen können beide ebenfalls berichten. Während einer Übernachtungssuche, die sich schwierig gestaltete, wurden sie von einem älteren Ehepaar, das mit den Fahrrädern unterwegs war, angesprochen. Spontan luden sie sie bei sich ein. „Wir haben zusammen auf der Terrasse gegrillt und hatten einen gigantischen Ausblick über Neckarhausen“, freute sich Kerstin Hielscher immer noch im Nachhinein. „Viele freundliche Menschen haben wir getroffen und schöne Erlebnisse gehabt“, wissen die beiden das Pilgern zu schätzen. „Irgendwann werde ich mit meinem Mann zum Kap Finisterre pilgern“, ist Kerstin Hielscher überzeugt, „und damit laufe ich mit ihm bis ans „Ende der Welt“.
Das Ehepaar Hielscher in Dürrenmettstetten nach einer Kaffeepause-Rast
Der Pilgerausweis
 
Text und Bilder: Elke Huß